Das Geräusch

Eines morgens wachte Alex auf, er wusste, etwas stimmte nicht mit ihm.

Er fühlte sich verändert, komisch, anders als sonst- nicht wie er selbst.

Er ging ins Badezimmer duschen, trocknete sich ab und als er in den Spiegel sah, erschrak er: er erkannte sich kaum wieder- er nahm sich anders wahr. Schnell rief er seine Freundin herbei, die ihm sehr glaubhaft erklärte, alles sei ihn Ordnung, er hätte sich nicht äußerlich verändert, sie war aber verwundert über seine veränderte Wahrnehmung. Sie tat es als Übermüdung ab.

Um sich zu beruhigen, ging Alex spazieren, erst durch die Stadt, dann in den Wald. In der Stadt lief er an ein paar Lüftungsschächten vorbei und das zischende Geräusch, das von ihnen ausging, irritierte ihn.

Es war, als würden würde die Lüftung ihm etwas zuflüstern- mit ihm sprechen. Er glaubte sogar, ein paar einzelne unverständliche Worte zu verstehen, konnte sich aber darauf keinen Reim machen.

Etwas durcheinander ging er weiter, im Wald würde er diese Geräusche und Zischen nicht hören, dachte er.

 

Doch der durch die Bäume streifende Wind, der teilweise die Blätter zum Rascheln brachte, vermittelte ihm dasselbe Gefühl- unverständliche Worte, teilweise ganze Sätze, Alex konzentrierte sich stark, blieb stehen und versuchte zuzuhören.

Durcheinander und verängstigt ging er ruhig weiter, traute sich kaum, Leute anzusprechen, ob es ihnen ähnlich ginge, da sie ihn wahrscheinlich für verrückt halten würden.

Zuhause erzählte er seiner Freundin davon, die auch nicht genau wusste, was heute mit ihrem Freund los war und sie meinte, er müsse sich mal richtig ausschlafen.

Da es Sommer war, lief nachts die Klimaanlage, aber selbst das leise Rauschen bereitete Alex starkes Unbehagen, die Stimme daraus wirkte hart und forsch und trotzdem konnte er nicht genau verstehen, was sie ihm sagen wollte.

Er konnte diese Nacht nicht schlafen und als er total gerädert aufstand, seine Freundin war bereits in der Arbeit in ihrem Krankenhaus, ging er in die Apotheke und besorgte sich Oropax.

Er entschied sich, nicht mehr raus zu gehen, denn die nächsten Tage ging es so weiter, praktisch jedes technische Gerät schien ihm etwas zuzuflüstern und er zog sich mehr und mehr zurück- Angst war sein ständiger Begleiter.

Nach Wochen ging er zum Arzt, ließ ein MRT machen, alles ohne Befund, Stress könne es auch nicht sein, in seiner IT- Abteilung hatte er kaum welchen.

Eines Abends saß er verzweifelt auf seinem Balkon und trank Wodka mit Cola, da er der Meinung war, das beruhige ihn. Da hörte er Nachbars Klimaanlage anlaufen und nun konnte er deutlich hören und verstehen, was ihm seit Wochen zugeflüstert wurde:

„Stirb!“.

Alex brach in Tränen aus, er hatte doch Oropax in den Ohren, es könne nicht sein. Er schüttelte den Kopf und schlug mit den Fäusten auf den Tisch, schrie laut „Das kann doch gar nicht sein! Das muss jetzt aufhören!“; doch die Stimme wurde immer lauter und lauter und bald hatte er das Gefühl, auf einem Metalkonzert zu sein, wo der Chant immer wieder „Stirb!“ zu sein schien.

Er stieß einen lauten Schrei aus und sprang von seinem Stuhl auf. Er blickte um sich, niemand war zu sehen.

Alex blickte vom Balkon herunter in die Tiefe, der sechste Stock bot einen traumhaften Ausblick- aber auch unten stand niemand. Er sah auf den Tisch, auf dem sein Glas noch stand, seine Freundin war noch arbeiten. Dann holte er einmal tief Luft, stieg auf den Sims des Balkons und sprang in den Tod.

Noch während er fiel, fühlte er sich erleichtert- dann schlug er auf und war sofort tot.

Endlich Ruhe.

Das Geräusch

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