Faith in humanity?

Ich komme beruflich viel in Deutschland herum. Man sammelt dadurch vielerlei Erfahrungen, oft natürlich auch schlechte- meistens mit den geschätzten Kollegen. Wenn ich länger als einen Monat (mache ich nicht so gerne) irgendwo eingesetzt bin, weil es auf den ersten Blick ein easy Job ist, dann wird man zwangsläufig (bei genügender Kompetenz und Übersicht) ein Teil des bereits vorhandenen Systems. Soll heissen: man hat von allen Anwesenden am meisten Stunden im Monat, blickt eher durch als das resignierende festangstellte Personal und wundert sich jeden Tag mehr und mehr über die nichtvorhandenen Kompetenzen oder gar chronische Unlust der geschätzten Kollegen/-innen, Verantwortung oder ähnliches in diese Richtung für ihren Dienst zu übernehmen. Das funktioniert nicht in einem sozialen Beruf- den ich sehr gerne mache- der aber auch dafür sorgt, dass ich immer mehr das Vertrauen in die Menschheit verliere- was auch zukünftige Kollegen/-innen „büßen“ müssen. Sie können nichts dafür, aber man ist dann zwangsläufig vorsichtig und wird penibel bei gewissen Dingen. 

In vielen Einrichtungen, in denen ich arbeite, führe ich erst Strukturen ein und optimiere Arbeitsprozesse- das hört sich hochtrabend an, aber so ist- die meisten Menschen müssen geführt und angeleitet werden, da sie dies aus eigener Kraft (warum auch immer, meist allerdings fehlender Horizont u.ä.) nicht schaffen. Dann beschweren sie sich darüber, dass es ihnen nun dank mir und meiner Kollegen besser geht, da Abläufe optimiert wurden und sie umdenken müssen- man kann es nur falsch machen.

Jeder Mensch, egal welcher Hautfarbe, Sexualität oder Herkunft kommen bekommt eine Chance, manchmal bei gutem Benehmen auch eine zweite- wir haben alle so Tage, an denen wir ausfallen.

Aber da sind diese Totalausfälle- die, bei denen man sich denkt, wie können die sich morgens alleine anziehen, geschweige denn in unserem sozialen Beruf arbeiten? An und vor allem mit Menschen? Es ist ein Elend. Da fragt man sich zwangsläufig irgendwann: Ist es der Mensch wert, dass man Zeit, Nerven und vor allem Mühe investiert, um es ihnen leichter zu machen? Oder ist das Verschwendung? Immer wieder wird mir gesagt, finde Dich damit ab- Du kannst es nicht ändern. Warum nicht? Warum kann man gewissen Menschen nicht Berufsverbot für gewisse Berufe geben? Ist ja nicht schlimm, sie sind halt für gewisse Jobs ungeeignet, können dafür was anderes gut.

Das muss ich alles so konstruktiv wie möglich an die Kollegen/-innen rüber bringen, möglichst ohne auch nur den Hauch von Kritik und natürlich darf der Mensch sich danach nicht dumm fühlen oder gar unnütz… Ähm ja. Also praktisch juristisch einwandfrei ausformuliert? Hm, dafür habe ich nun wirklich keine Zeit- denn ich muss meinen Job machen, und ich liebe meinen Job als Altenpfleger, auch wenn ich als Freiberufler viel unterwegs bin- ich liebe die verschiedenen Charaktere an den Bewohner, es gibt immer wieder EINE Geschichte, die man von früher noch nicht gehört hat und vor allem erlebt man von Zeitzeugen erzählte Geschichte. Es ist herrlich, erfrischend, haarsträubend, anstrengend und wunderbar- der beste Job der Welt- wenn die Kollegen/-innen manchmal nicht wären.

Faith in humanity?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.