Am Baum

So saß ich vor dem großen, stämmigen Baum in einem großen Garten, die Beine ausgestreckt, auf die Arme nach hinten gestützt und sah nach oben auf den dicken Ast, an dem ein Mensch mit einer Schlinge um den Hals hing und sich langsam im Wind wog. 

Ich beobachtete das Geschehen mit einem ruhigen Puls und entspannter Atmung, ein leicht verzücktes Lächeln im Gesicht. Die Szenerie mit dem lauen Sommerwind und der untergehenden Sonne im Hintergrund und dem Geruch von frisch gemähtem Gras wirkte sehr beruhigend, wäre sie nicht so dramatisch. Aber der Körper am Seil hörte auf zu zucken, der Stuhl darunter purzelte noch zwei Meter, nachdem die Person am Seil ihn weg stieß. 

Was der Person wohl durch den Kopf gegangen sein mochte, um diesen dramatischen, endgültigen Schritt zu machen? Ob wohl alle Möglichkeiten oder Problemlösungen in Betracht gezogen worden waren? Oder eine Kurzschlussreaktion?

Der Wind ließ etwas nach und der Körper wog nicht mehr mit, hing stumm und bewegungslos am Baum. Mit einem zufriedenen Seufzer stand ich auf, klopfte mir die Erde und das Gras von der Kleidung, stemmte die Arme in die Seiten. 

Es kann nur besser werden. 

Die Person am Baum bin ich. 

Es kommt nicht darauf an, wie oft man hinfällt, wichtig ist nur, dass man wieder aufsteht. Und ich wollte ein besseres Leben für mich und arbeite daran. Damit das nicht passiert. 

 

Am Baum

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