Einer muss gehen

Es war wieder einer dieser Abende, wo man sich nach dem Pinkeln im Spiegel beim Händewaschen nicht ins Gesicht schauen kann, da man das Bild einfach nur abstoßend und regelrecht ekelhaft findet.

Völlig betrunken und zugedröhnt, ungewaschen, unrasiert und stinkend schlurfte ich zurück auf meine Couch vor den Fernseher, um mir einen weiteren Jahresrückblick anzusehen.

Die Flasche Jack Daniels mit Cola gemischt war schon mehr als drei Viertel leer, der Aschenbecher daneben voll. Der Revolver daneben wars auch- 6 schöne, kleine, blitzblanke Kugeln- jede einzelne oben eingeritzt für den finalen Kick, damit auch nichts schief geht.

Einer muss gehen

Die Sonne

Jeder Mensch hat eine Sonne im Kopf, die regelmäßig auf und unter geht. Diesen Menschen geht es gut.

Was ist aber mit den Menschen, bei denen die Sonne im Kopf unregelmäßig auf und untergeht? Stell Dir vor, im einen Moment scheint die Sonne, Du bist in kurzer Hose und Shirt und im nächsten Moment regnet es in Strömen und Du hast keinen Regenschirm dabei. Du bist auf dem Weg zu einem Date beispielsweise und willst gut aussehen und jetzt kommt der Regen und macht Dir einen Strich durch die Rechnung. Weit und breit ist kein Baum und auch sonst nichts, unter dem Du Schutz suchen könntest. Du wirst klitschnass, Dein Make- Up verläuft und Deine Laune sinkt rapide.

Die Sonne

Der Albtraum

Wie fast jede Nacht in letzter Zeit ging er ängstlich ins Bett. Mit seinen 8 Jahren hatte er schon so manche Nacht nicht geschlafen, denn er hatte furchtbare Albträume, in denen er auf bestialische Art und Weise getötet wurde; gevierteilt, gefressen, gejagt, aufgehängt, zerstückelt. Sowas sollte ein Kind nicht durchmachen müssen;

In der Schule aufgrund seiner Stille gemobbt, nach der Schule verprügelt, zuhause vom Vater nicht verstanden, der Schulpsychologe überfordert. Ein guter Schüler mit besonderen Talenten, die Dinge anders zu sehen, aus anderen Perspektiven. Mit anderen Augen. Versetzung durch sein „merkwürdiges“ Verhalten laut Zeugnissen auf eine höhere Schule gefährdet, Abitur gemacht mit 1,4. Noch immer geplagt von Albträumen und Depressionen, unverstanden von der Umwelt.

Der Albtraum

Das Geräusch

Eines morgens wachte Alex auf, er wusste, etwas stimmte nicht mit ihm.

Er fühlte sich verändert, komisch, anders als sonst- nicht wie er selbst.

Er ging ins Badezimmer duschen, trocknete sich ab und als er in den Spiegel sah, erschrak er: er erkannte sich kaum wieder- er nahm sich anders wahr. Schnell rief er seine Freundin herbei, die ihm sehr glaubhaft erklärte, alles sei ihn Ordnung, er hätte sich nicht äußerlich verändert, sie war aber verwundert über seine veränderte Wahrnehmung. Sie tat es als Übermüdung ab.

Das Geräusch

Im Wald (Repost von 2015), handschriftlich wiedergefunden

Ich mag Wälder. 

Sie haben etwas unkontrollierbares, undurchdringliches, uneinschätzbares.

Man weiss oft nicht, was einen erwartet. Man kann die Orientierung verlieren, oder findet gar nicht mehr heraus. Wer weiss schon, was passiert? Ich mag den Schutz, dem man sich hingibt, je tiefer man in den Wald geht. Die Ruhe; nur das Rascheln und Knacksen von Ästen, Blättern oder der Nadeln auf dem Boden. Dieser intensive Duft der Tannennadeln oder der Kiefern, weicher und bemooster Boden. Der Wind, der durch die Bäume pfeifend eine Geräuschkulisse zaubert, die Surrealismus erzeugt, die kein Kino mit keiner Anlage erzeugen kann. Man hat das Gefühl, Zeit hätte keine Bedeutung. 

Im Wald (Repost von 2015), handschriftlich wiedergefunden